MALLORCA (09/2010)

MALLORCA (09/2010)

Mallorca – was für eine Insel

Mallorca ist wie ein Magnet. Diese Insel zieht alle an: Könige, Künstler, Aussteiger – und uns stinknormale Urlauber. Aber eines waren wir nicht: Ballermann-Touristen! Mallorca ist mit ~3640 km² die größte der fünf Baleareninseln. Danach folgen Menorca, Ibiza, Formentora, Cabrera und noch ca. 190 unbewohnte Miniinseln. Seit der ersten Besiedlung mussten die Mallorquiner schon so manches ertragen. Waren es früher die Piraten, so sind es jetzt die Touristen. Einziger Unterschied: die Piraten nahmen etwas von der Insel mit, die Touristen jedoch lassen so manchen Euro auf der Insel zurück.

Nach Ankunft auf dem Flughafen Palma de Mallorca haben wir unseren Mietwagen, einen zwetschgenblauen Fiat 500, übernommen und sind erstmal in unser Hotel gefahren. Dabei haben wir gleich einmal die Insel durchqueren müssen. Liegt der Flughafen im Südwesten der Insel, so lag das Hotel Valentín Playa de Muro in dem kleinen Ort Can Picafort an der Bucht von Alcúdia im Nordosten der Insel. Von hier aus haben wir die Insel kreuz und quer befahren und so einen kleinen Teil der Sehenswürdigkeiten Mallorcas gesehen.

ALCÚDIA • CAP DE FORMENTOR • MIRADOR DE SA CREUTA • POLLENÇA • CALA SANT VICENÇ • ARTÀ • CAPDEPERA • CALA RAJADA • CALA MESQUIDA • PORTO CRISTO • PORTOCOLOM • CALA D` OR • BOTANICACTUS • CAP DE SES SALINES • COLÒNIA DE SANT JORDI • CALA PI • CAP BLANC • PALMA • PORTALS NOUS • CALA DE PORTALS VELLS • SANT ELM • VALLDEMOSSA • DEIÀ • CALA DE DEIÀ • SÓLLER • PORT DE SÓLLER • EMBALSE DE CÚBER • EMBALSE DE GORG BLAU • SA CALOBRA • PETRA • ELS CALDERERS • PUIG DE RANDA • SANTUARI DE MONTI-SION • CAMPOS • SANTUARI DE SANT SALVADOR • PUIG DE SANTUERI

DER NORDEN – SCHLUCHTEN UND BUCHTEN

Dank dem kühleren Klima blieb der Norden größtenteils von der touristischen Zersiedelung verschont. Ausnahmen sind natürlich die Bucht von Alcúdia und die Cala Rajada.

Einige unserer Ausflugsziele:

Alcúdia ist eine der ältesten Städte Mallorcas mit malerischem Zentrum. Sie liegt zwischen der Bucht von Pollença und der Bucht von Alcúdia auf einer kleinen Anhöhe. Alcúdia und ihr ehemaliger Hafen Port d’Alcúdia unterscheiden sich wie Licht und Schatten. Alcúdia ist das kleine, von einer mächtigen mittelalterichen Stadtmauer umgebene, hübsch restaurierte Städtchen geblieben. Die um 1300 errichtete wehrhafte Stadtmauer ist mit ihren Toren, Türmen und Zinnen noch bis heute teilweise begehbar. Die Pfarrkirche Sant Jaume diente nicht nur als Gotteshaus, sondern auch als Eckbastion der Stadtbefestigung. Port d’Alcúdia jedoch hat sich zu einem Touristen-Moloch entwickelt.

In engen Kurven brachte uns unser Fiat auf der Stichstraße PM-2210 auf den nördlichsten Punkt Mallorcas, dem schroffen Cap de Formentor. Bevor wir jedoch den strahlendweissen Leuchtturm erreichten, mussten wir unbedingt den windumtosten Aussichtspunkt Mirador de Sa Creuta besuchen. Hier gab es einen herrlichen Blick über die steilen, knapp 300 m hohen Klippen Els Farallons und hinab auf das vorgelagerte Inselchen Illot del Colomer. Auf jeden Fall sehenswert. Auch wenn dich der Wind fast runterbläst. Den Leuchtturm selbst konnten wir nur im Vorbeifahren fotografieren. Warum? Jede Menge Touristen die nicht autofahren können und nur die Sackgasse mit ihren Autos blockierten.

Die größte Stadt des Nordens ist Pollença. Sie wird von zwei Hausbergen, den El Calvario und den Nostra Senyora del Puig, überragt. 365 Stufen führen am von Zypressen gesäumten Kreuzweg zur kleinen Kirche Oratori del Calvari. Von hier hatten wir einen herrlichen Blick auf die Altstadt. 5 km nördlich von Pollença liegt der kleine Ferienort Cala Sant Vicenç. Mit seine felsumschlossenen Badebucht ist er ein kleines, ruhiges und in mitten der Natur gelegenes, Touristenzentrum. Umgeben ist der idyllische Sandstrand von majestätischen Felsen, die Schutz vor allzu starken Winden bieten. Der beschauliche Ort bietet Ruhe und Ursprünglichkeit an der rauen Nordküste Mallorcas.

DER OSTEN – SERRES DE LLEVANT UND ZERKLÜFTETE KÜSTE

Weißer Sand, Strände von Pinien umgeben, das Meer türkis, die Häuser weiß gestrichen – so präsentiert sich Mallorcas Ostküste. Zwischen dem Gebirgszug Serres de Llevant und der Küste verläuft die schöne Ferienstrasse: Mandelbaumplantagen, Marillen- und Orangenbäume, Weinanbaugebiete begleiten den Autofahrer auf der Fahrt durch die sanfte Gebirgslandschaft.

Einige unserer Ausflugsziele:

Das Landstädtchen Artà wird von einem Burghügel überragt. Eine 180 Stufen zählende Kalvarientreppe verbindet die am Fuße des Stadthügels gelegene Wehr- und Pfarrkirche Transfiguració del Senyor mit der ab 1832 erbauten barocken Kirche Sant Salvador auf dem 182 Meter hohen sogenannten Kalvarienberg oder Puig de Sant Salvador. Auf der Festung angelangt genossen wir von der Terrasse aus einen herrlichen Ausblick auf Artà und auf die Berge der Serres de Llevant.

Die wohl wichtigste Sehenswürdigkeit von Capdepera stellt die mächtige Burganlage des Castell de Capdepera dar. Früher musste die Anlage den Überfällen der Piraten standhalten. Heute kann man innerhab des imposanten Mauerrings mit dem aussichtsreichen Wehrgang nur noch wenige Gebäude besichtigen. An höchster Stelle befindet sich die Kapelle Nuestra Senyora de la Esperanza. Etwas unterhalb beherbergt das ehemalige Gouverneurshaus Casa del Gobernador eine Ausstellung zur Palmflechterei. Von der Burganlage hatten wir einen wunderbaren Ausblick bis zur Halbinsel Punta de Capdepera und zum Touristenzentrum Cala Rajada.

Auf einer Halbinsel nordöstlich von Capdepera liegt der Ort Cala Rajada (früher Ratjada) was übersetzt soviel wie Rochenbucht heißt. Er wurde im 17. Jahrhundert als Hafen angelegt und gilt noch heute nach Palma de Mallorca als der zweitwichtigste Fischereihafen Mallorcas. Der Ort besteht aus mehreren felsengesäumter Calas. Die wohl schönste Badebucht von Cala Rajada ist die auf der Nordseite der Landzunge Punta de Capdepera gelegene Cala Agulla mit ihrem 600 m langen Sandstrand. Die Cala Gat, übersetzt Katzenbucht, ist eine kleine, zwischen Klippen gelegene Badebucht. 80 m lang, 7 m breit und 20 m tief, ist diese Bucht ein gut geeignetes Tauchrevier. Auf der Spitze der Landzunge erhebt sich der strahlend weiße Leuchtturm auf der Cabo de Capdepera.

Klar machten wir auch einen kleinen Abstecher zur Cala Mesquida. Nur 6 km nördlich von Capdepera lockt die von hohen Dünen gesäumte Bucht mit türkisem Meer und feinsten Sand. Der Strand der Cala Mesquida ist 300 Meter lang und durchschnittlich 130 Meter breit. An den flachabfallenden Sandstrand schließt sich eine etwa einen Kilometer ins Landesinnere erstreckende von einem Kiefernwald umgebende Dünenlandschaft an. Die ganze Bucht befindet sich in einem Naturschutzgebiet. Während der Hauptsaison findet die Bucht nicht zuletzt durch ihre Erreichbarkeit über eine gut ausgebaute Straße von Artà bzw. Capdepera aus regen Besuch.

Bereits die Römer waren von der S-förmigen Hafenbucht in Porto Cristo als Ankerplatz begeistert. Früher als Fischereihafen genutzt dümpeln heute vor allem die Jachten der Reichen. Es gibt nur einen kleinen Sandstrand, direkt an der Durchgangsstraße. Geprägt wird der Ort durch seinen schönen Yachthafen und der beidseitig von Felsen geschützten Hafeneinfahrt. Der Name des Ortes geht einer Legende zufolge auf einen aus höchster Seenot geretteten Seemann zurück, der aus Dankbarkeit für seine Rettung ein Kruzifix aufstellte.

Gut erhaltene bzw. liebevoll restaurierte Fischer- und Bootshäuser und vor allem die Bootsschuppen mit bunt bemalten Türen prägen das Bild des Hafens von Portocolom. Wie auch die italienische Stadt Genua beansprucht Portocolom für sich, die Geburtsstätte von Christoph Columbus zu sein. Doch gibt es hierfür keinen historischen Beleg. Lediglich der Name der Gemeinde spiegelt den Namen des Entdeckers wider. Auf der östlich gelegenen Landzunge mit dem Leuchtturm Ponta de Ses Crest hat sich das Villenviertel Sa Punta entwickelt.

DER SÜDEN – WEISS, GRÜN UND TÜRKIS

Weiße Salzberge, grüne Pinienwälder und türkises Meer prägen den Süden Mallorcas. Vorerst wirkt das Landesinnere eher monoton und unbelebt. Bei näherer Betrachtung erkennt man jedoch ihre Farbenpracht. Nicht nur weiß, grün und türkis, sondern auch ockerfarbene Bauernhöfe und graue, blaue und rosa Salzseen bieten herrliche Kontraste.

Einige unserer Ausflugsziele:

Etwas weiter südlich von Portocolom liegt der Ferienort Cala d`Or. Fjordähnliche Buchten und die im ibizenkischen Stil weiß gekalkten Häuser machen den Reiz dieses Ferienortes aus. Und das ist kein Zufall, denn der ibizenkische Architekt Josep Costa Ferrer, der die Ortschaft plante, hatte sich von seiner Heimat inspirieren lassen. Die Marina Porto Cari in der Bucht Cala Llonga bietet exklusiven Yachten und Charterbooten gleichermaßen Liegeplätze und Schutz vor Stürmen sowie eine große Anzahl von Restaurants und Bars.

In der Nähe des Ortes Ses Salines haben wir den nach Angabe des Betreibers größten Kakteengarten Europas besucht. Botanicactus beherbergt auf rund 150000 m2 über 10000 Kakteen. Neben dieser Wüstenzone gibt es noch einen mallorquinischen Garten und einen tropischen Bereich mit einem künstlichen See und üppigem Palmen- und Bambusbewuchs. Ist schon sehr beeindruckend. Und wenn man schon inder Gegend ist sollte man ihn unbedingt besuchen.

Südlich des Städtchens Ses Salines erstrecken sich ausgedehnte Salzseen zur Meersalzgewinnung. Weite Teile dieses Areals zählen zu dem in Privatbesitz befindlichen Landgut Sa Vall. Wir haben auf der Ma-611 diese trockene Gegend bis zum schneeweiß glänzenden Leuchtturm am Cap de Ses Salines durchquert. Hier haben wir den südlichsten Punkt der Insel erreicht und hier befindet sich auch das Naturschutzgebiet Reserva marina del Migjorn de Mallorca. Auf den Grundstück des Leuchturms Far del Cap de ses Salines liegt auch ein Gebäude des Küstenforschungsinstitutes. Zum Meer hin fallen Dutzende von Stein­pyramiden auf. Einige von ihnen sind mit großer Kunstfertigkeit aufgestellt worden.

Die Cala Pi ist ein etwa 420 Meter langer, bis zu 100 Meter breiter und 100 m tief in die Felsen geschnittener Meeresarm mit türkisblauem Wasser an der Steilküste von Llucmajor. Die Bucht bildet die Mündung des Torrent de Cala Pi, eines Sturzbachs, der nur nach starken Regenfällen Wasser führt. In diesen windgeschützten Wasser ankern gerne die Jachten. Den Strand erreicht man über eine Treppe direkt vom Ort aus. Der Strand selbst ist sehr klein und bietet daher in der Hauptsaison nur begrenzt Platz. Dafür ist das Wasser glasklar und türkisblau, fast wie in der Karibik.

Durch militärisches Sperrgebiet (ein altes, verwittertes Schild „Zona Militar, Stop“ weist darauf hin) ging es zum Cap Blanc, auf dem der Leuchtturm Far des Cap Blanc 90 m über dem Meer thront. Hier gibt es zwar keine Bademöglichkeit, dafür ist diese Gegend geprägt von einer atmenberaubenden Steilküste und einer naturbelassenen Landschaft. Daher werden von den örtlichen Tourismusbüros sehr gerne geführte Wanderungen zwischen Cala Pi und Cap Blanc angeboten und organisiert.

DER WESTEN / PALMA – WO DAS INSELHERZ SCHLÄGT

Den Südwesten der Insel beherrscht die Hauptstadt Palma, das urbane Herz Mallorcas, mit seiner grandiosen, von der Kathedrale La Seu überragten Altstadt. Nicht umsonst wird Palma auch als die schönste Stadt am Mittelmeer benannt. Etwa zwei Drittel der gesamten Hotelbetten der Insel stehen in der Badia de Palma und in den Orten zwischen der Hauptstadt und Sant Elm.

Einige unserer Ausflugsziele:

Palma liegt im Zentrum der 20 km langen Badia de Palma, der Bucht von Palma, die von Cala Figuera im Westen bis nach Cala Blava im Osten reicht. Sie ist nicht nur Hauptstadt Mallorcas, sondern auch Universitätsstadt, Kulturzentrum und Bischofssitz. Wohl jedem bekannt sind die Catedral La Seu und der Königspalast Palacio Real de La Almudaina am künstlich angelegten See des Parc de la Mar. Wir haben direkt im Parkhaus unter der Kathedrale bzw. des Sees geparkt. Ideal! Von hier aus kann man die Altstadt gut zu Fuß erkunden.

Eine kleine Oase an der westlichen Badia de Palma ist der Ort Portals Nous. In seinem Hafen Port Portals ankern Superjachten, vor denen Ferrari, Porsche und Rolls Royce parken. Alles was Rang und Namen hat, findet sich hier ein. Die Gegend ist geprägt von Luxus und Verschwendungssucht. Nur die wenigsten normalen Touristen können sich die Leistungen, die hier geboten werden, leisten. Der Grund dafür sind die Preise, welche stellenweise immens hoch sind und mehr auf die High-Society, als auf den normalen Bürger zugeschnitten sind. Also fuhren wir lieber weiter.

Etwas südlicher von Portals Nous fuhren wir auf der Straße Richtung Cap de Cala Figuera durch relativ unverbaute Landschaft mit schönen Kiefernwäldern. Nach ein nur ein paar Kilometern erreichten wir Cala de Portals Vells, eine idyllische, von Felsen umrahmte Sandbucht. Auch bekannt unter dem Namen “Drei Finger Bucht”, erstreckt sie sich über drei kleine Sandstrände, die mit türkisblauem Wasser verzaubern. Anthony Quinn war hier, Michael Caine auch – und jetzt auch noch wir.

Am westlichsten Punkt angelangt liegt der Ort Sant Elm, benannt nach dem Schutzpatron der Seeleute. Mit nur wenigen Hotels ist Sant Elm ein sehr beschaulicher Ferienort. Ein malerischer Sandstrand und eine kleine Fußgängerzone runden das Bild ab. Von hier aus kann man herrliche Wanderungen unternehmen. Oder man setzt mit mehrmals täglich startenden Ausflugsbooten zur naturgeschützten Illa Sa Dragonera (Dracheninsel) über. Wir hatten jedoch nicht so viel Zeit und fuhren die Westküste in Richtung Norden hinauf.

Auf dem Weg nach Valldemossa blieben wir kurz beim Torre des Verger, einem alten Wachturm stehen. Er befindet sich auf einem hohen Felsvorsprung der Serra de Tramuntana, die an dieser Stelle steil zum Mittelmeer hin abfällt. Ursprünglich war er zur Überwachung der Küste und zur Verteidigung gegen Piraten errichtet worden. Heute dient er als Aussichtsturm, der über einen Weg zugänglich ist und über eine innen liegende Treppe bestiegen werden kann. Was wir auch gemacht haben. Der Ausblick ist wirklich wunderschön.

Weiter auf der Ma-10 Richtung Sóller zweigt kurz vor Valdemossa die Ma-1113 nach Port de Valldemossa ab. Auf der nur drei Meter breiten, kurvenreichen und steilen 6 km langen Fahrt hat man immer wieder herrliche Ausblicke auf Klippen und Meer. Obwohl die Straße nahezu unbekannt ist und auch relativ gut versteckt liegt, gehört sie für Radfahrer zu den schönsten überhaupt auf Mallorca. Wir hatten jedoch Glück und mussten die Straße nicht mit ihnen teilen. Fahrspaß pur – nur entgegenkommen darf keiner. Im Ort selbst gibt es ein paar Häuser, einen großen Parkplatz, einen Minihafen und ein Restaurant.

In dem auf einem Hügel zu Füssen des mächtigen Teix (1064 m) liegenden Bergdorf  Deià begeistern die verschachtelten Natursteinhäuser inmitten Zypressen, Palmen und Bougainvillea. Einst ließen sich hier Künstler wie Pablo Picasso, Sir Peter Ustinov, Ava Gardner und Michael Douglas nieder. Auf dem 3 km langen einspurigen Serpentinensträßchen gelangten wir hinunter zur malerischen Cala de Deià. Die von Felsen umrahmte Bucht mit kristallklarem Wasser und schmalen Kieselsteinbucht lohnt auf jeden Fall die doch beschwerliche Anreise.

Auf drei Seiten wird Sóller von einigen der höchsten Gipfel der Serra de Tramuntana umschlossen. Nur nach Norden hin öffnet sich das Tal von Sóller Richtung Mittelmeer. Die Altstadt von Sóller wird von einigen Prachtbauten wie der Pfarrkirche Sant Bartomeu, der Banco de Sóller mit ihren spinnennetzartigen Fenstergittern aus Eisen und dem zum wohl ältesten Bahnhofsgebäude der Welt umgebauten ehemaligen Gutshof Estacio del Ferrocarril, geprägt. Vom Bahnhofsvorplatz, der Placa d´Espanya, startet die altmodische Straßenbahn „Roter Blitz“, dem sogenannten Orangenexpress, ihre Fahrt zum 3 km entfernten Hafen Port de Sóller. Auf der Straße Ma-10 Richtung Pollenca erreichten wir den Mirador de ses Barques mit einem herrlichen Blick auf Port de Sóller.

Die beiden Stauseen Mallorcas, der Embalse de Cúber und der Embalse de Gorg Blau liegen im Tramuntana Gebirge. Sie waren früher ein Garant für Wasser im regenarmen Sommer. Doch diese Zeiten sind vorbei. Seit Mallorca jeden Sommer abertausende von Urlaubern aufnimmt ist die Wasserknappheit vorprogrammiert. Sie sind für die Wasserversorgung der Hauptstadt verantwortlich. Das Wasser geht über Pipelines hinunter nach Lloeseta und wird von dort in die Wasserleitungen von Palma geleitet.

Nach einem kurzen unbeleuchteten Tunnel erreichten wir die Abzweigung nach Sa Calobra. Auf 12 km überwindet die Straße in zahlreichen Kehren ganze 800 Höhenmeter. Hier gibt es den Nus de sa Corbata, den Krawattenknoten, der in einer fast kreisrunden Kurve von knapp 360° durch einen Tunnel unter der Straße hindurchführt. Sa Calobra selbst ist ein kleines Fischerdorf. Zu Fuß gelangten wir von hier aus durch einen Tunnel in einen Talkessel, der einen schmalen Durchbruch zum Meer aufweist. Nach starken Regenfällen durchtosen ihn die Wassermassen des Sturzbachs Torrent de Pareis, in der Trockenzeit entsteht jedoch eine eindrucksvolle Badebucht.

DIE INSELMITTE – ES PLA, DIE FRUCHTBARE EBENE

Es Pla heißt das Inselinnere. Einst die Kornkammer Malorcas, kam mit Beginn der 1970er-Jahre die Krise. Heute begegnet man der Krise mit neuen Anbaumethoden und der Rückbesinnung auf Traditionen, wie beispielsweise den Weinbau und das Handwerk. Viele Bauern wurden nebenbei zum Hotelier, oder verkauften Teile ihres Landes an ausländische Häuslbauer. Mallorcas einziger Tafelberg Puig de Randa ist mit 542 m die höchste Erhebung des Es Pla.

Einige unserer Ausflugsziele:

Eingebettet zwischen Kornfeldern und Weingärten liegt das gemütliches Weinstädtchen Petra. Wehrhaft und trutzig gibt sich die festungsähnliche Pfarrkirche Sant Pere. In ihr hat der spätere Franziskanermönch Junipero Serra sein erstes Sakrament empfangen. Dieser verließ Mallorca um 1749 und ging nach Nordamerika. Dort gründete er im heutigen Kalifornien viele Missionsstationen. Aus diesen Stationen gingen die heutigen Städte Los  Angeles, San Diego und San Francisco hervor. So finden sich natürlich nicht nur in den USA, sondern auch in Petra zahlreiche Andenken an den wohl berühmtesten Emigranten der Stadt.

Nicht weit entfernt von Petra kann man das historische Landgut Els Calderers besichtigen. Früher war es das Herrschaftshaus der Adelsfamilie Veri, jetzt kann man Empfangs-, Wohn- und Arbeitsräume sowie eine Kapelle, den Weinkeller und Schlafräume mit Originalausstattung durchwandern. Hier ist die Zeit scheinbar zu Beginn des 20. Jh. stehen geblieben. Als wir das Landhaus betraten, hatten wir den Eindruck, dass hier bis gerade eben noch gearbeitet wurde. Nicht nur im Handarbeitszimmer, auch in der großen Wohnküche, in der Kornkammer unterm Dach sowie im Büro des Landverwalters, wo Rechnungsbücher, Quittungsblöcke und Tintenfässer den kleinen Sekretär bedecken.

Unweit von Llucmajor erreichten wir auf einer serpentinenreichen und bei Radsportlern beliebten Straße den einzigen Tafelberg Mallorcas, den Puig de Randa. Er wird auch der „Heilige Berg“ Mallorcas genannt. An seinen Hängen befinden sich in unterschiedlicher Höhe drei Klöster: Santuari de Nostra Senyora de Gràcia, Ermita de Sant Honorat und Santuari de Nostra Senyora de Cura. Wobei Kloster der falsche Ausdruck ist. Auf ganz Mallorca gibt es kein eigentliches „Kloster“. Es handelt sich ausnahmslos um „Heiligtümer“ („Santuari“) bzw. Eremitagen („Eremita“).

4 km südlich von Porreres (da sind wir nur durchgefahren) liegt auf der gleichnamigen bewaldeten Anhöhe (254 m) das idyllische Renaissance-Kloster Santuari de Monti-Sion. Die kurvige Zufahrtsstraße ist mit einem Kreuzweg aus Jahrhunderte alten Bildsäulen geschmückt. Mehrere Stufen führen vom Parkplatz in den arkadengeschmückten Innenhof des Heiligtums. Von dort aus zweigen Durchgänge in die Zimmer und zum Restaurant ab, das typisch mallorquinische Gerichte anbietet.

Rund um Campos gibt es noch viele alte aber auch gut erhaltene oder aufwendig restaurierte Windmühlen zu besichtigen. Windmühlen haben auf Mallorca eine lange Tradition. Mit Ausnahme der Insel Kreta gibt es nirgends so viele Windmühlen als auf Mallorca. Sie dienten sowohl als Getreide-Mühlen als auch als Pump-Mühlen zur Wasserbeförderung und Trockenlegung von Sumpfgebieten. Nur wenige werden noch heute dafür verwendet. Die Landwirtschaftum Campous beschränkt sich hauptsächlich auf die Viehwirtschaft und böse Zungen behaupten, dass es hier mehr Kühe als Einwohner gibt.

Wenige Kilometer von Felanitx (auch hier sind wir nur durchgefahren) entfernt erhebt sich der 509 m hohe Puig de Sant Salvador mit seinem trutzigen Kloster Santuari de Sant Salvador. Hier befindet sich auch ein 37 m hohes Christkönigmonument Crist Rei mit einer 7 m hohen Christusfigur sowie das auf dem Nebenberg Es Picot monumentale Steinkreuz Creu d’es Picot. Mittelpunkt ist jedoch die Wallfahrtskirche, die vor allem an Sonn- und Feiertagen von den Mallorquinern besucht wird.

Gleich gegenüber dem Puig de Sant Salvador erhebt sich der 400 m hohe Tafelberg Puig de Santueri. Auf dessen Gipfel thront die Ruine einer Felsenburg, das Castell de Santueri. Sie diente im Mittelalter als Bastion gegen Piratenangriffe. Leider ist sie nicht öffentlich zugängig und wir mussten uns mit der reizvollen serpentinenreichen Auffahrt und dem damit verbundenen herrlichen Ausblick begnügen. Mittlerweile sind die Restaurierungsarbeiten abgeschlossen und die Felsenburg kann wieder besichtigt werden.

FAZIT

UNSERE TAGESTOUREN – HOLPRIG, ENG UND KURVIG

Insgesamt haben wir 1482 km mit unserem Fiat 500 auf der Insel zurückgelegt. Wir haben viel gesehen und wahrscheinlich noch mehr nicht gesehen. Aber wir haben uns von den engen, kurvigen Bergstraßen nicht abschrecken lassen, obwohl wir nicht nur einmal in die Botanik ausweichen mussten, nur weil sich irgendein anderer Tourist oder auch ein Einheimischer auf die gleiche Straße getraut hat.

Auf jeden Fall hat uns Mallorca sehr, sehr gut gefallen. Wir haben ja auch den berühmt-berüchtigten Ballermann ausgelassen und die wirklich schönen Seiten der Insel genossen.  Und wir wollen unbedingt nochmal auf die Insel zurückkehren. Am besten zur Mandelblütezeit.

Als letztes Foto eine der unendlich vielen Buchten Mallorcas. Für uns die vielleicht schönste Bucht.

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Die Bucht von Sant Elm

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