ANDALUSIEN (04/2013)

ANDALUSIEN (04/2013)

Andalusien – Sherry, Flamenco & Kulturschätze

Sonne und Meer, Stierkampf und Flamenco, stolze Menschen und maurische Pracht – das alles kommt aus Andalusien, jenem Teil Europas, der Afrika am nächsten liegt. Fast 800 Jahre lang prägte die arabische Kultur das Land und hat Schätze wie die Alhambra in Granada, die Mezquita in Córdoba oder die Kathedrale mit der Giralda in Sevilla hinterlassen. Andalusien beherbergt so viele Sehenswürdigkeiten und sehenswerte Städte, dass es sich schon lange sehr weit oben auf unserer Wunschliste hielt.

Diese 7-tägige Rundreise führte uns in die faszinierende Vergangenheit Andalusiens. Auf den Spuren der Römer, Phönizier und Araber reisten wir in die wunderschönen Städte des spanischen Südens. Ein Wechselspiel zwischen Kultur und wildromantischer Landschaft. Und eine echt wahnsinnige Kombination hatten wir noch dazu: Österreichische Touristen – portugiesischer Reisebus – portugiesischer Buslenker – österreichischer Reiseleiter – Spanien. Der österreichische Reiseleiter konnte zwar perfekt spanisch aber kein Wort portugiesisch, beim Buslenker war es genau umgekehrt. Und wir natürlich gar nichts.

JEREZ DE LA FRONTERA • ARCOS DE LA FRONTERA • RONDA • MARBELLA • TORREMOLINOS • MALAGA • ANTEQUERA • EL TORCAL • GRANADA • CORDOBA • SEVILLA

Reiseverlauf

Tag 1 / SEVILLA – JEREZ DE LA FRONTERA – ROTA

Direktflug von Wien nach Sevilla, wo uns die Sonne mit sehr angenehmen Temperaturen empfing. Die erste kurze Fahrt führte uns nach Jerez de la Frontera, der Stadt des Sherrys, der auf spanisch Jerez heißt. Und was macht man in Jerez de la Frontera, wenn nicht ein MotoGP-Rennen anschauen? Richtig! In der Bodega Tio Pepe von Gonzalez Byass die Geheimnisse des Vino de Jerez erfahren und vom andalusischen Nationalgetränk probieren. Ob der trockene „Fino“ oder der süße „Oloroso“ – sie haben uns alle gemundet. Dann ging es weiter in Richtung Atlantik. Und zwar an das nördlichen Ende der Bucht von Cádiz in den kleinen Ort Rota. Hier befand sich mit dem Hotel Playa de La Luz unser erstes Nachtlager.

Tag 2 / ROTA – ARCOS DE LA FRONTERA – RONDA – MARBELLA – TORREMOLINOS

Östlich von Jerez liegt inmitten der landschaftlich eindrucksvollen Sierra de la Grazalema die Region der „Weißen Dörfer“. Die sogenannte „Ruta de los Pueblos Blancos“ führt in einer teils gebirgigen Naturlandschaft durch eine Reihe von Kleinstädten und Dörfern. Weiß gekalkte Hausfassaden, rote Ziegeldächer, enge Gassen und zumeist eine Burg vervollständigen das Bild. In der Altstadt finden sich die engen Gassen mit weißgetünchten Häusern, die charakteristisch für die weißen Dörfer sind. Wie viele Besucher begannen auch wir die Route in Arcos de la Frontera, das gemeinhin als Ausgangspunkt und Hauptort der Ruta de los Pueblos Blancos gilt. Vor allem die Altstadt, die auf einem steilen Felsen oberhalb des Flusses Guadalete liegt, ist eine Touristenattraktion. Daher haben auch wir eine ausführliche Besichtigung unternommen.

Wie Perlen an einer Kette reihen sich die „Pueblos Blancos“ auf dem Weg nach Ronda aneinander.  Ronda, das als Geburtsstätte des Stierkampfes gilt, ist eine einzigartige Stadt, die schon von Rilke und Hemingway gepriesen wurde. Die Lage der Stadt gleicht einem Adlerhorst am Rande einer über 100 Meter tiefen Schlucht, El Tajo genannt. Die Altstadt La Ciudad und der jüngere Stadtteil El Mercadillo werden u.a. durch die Brücke El Puente Nuevo verbunden. Bis zur geplanten Stadtführung hatten wir noch jede Menge Zeit und so konnten wir die Stadt erstmal auf eigene Faust besichtigen. Natürlich die Puenta Nuevo und den herrlichen Ausblick ins Umland, aber auch die kleinen verträumten Gässchen in der Altstadt.

Nach der sehr aufschlußreichen Besichtigung Rondas führte die Fahrt weiter an die Costa del Sol. In Marbella war beim mondänen Yachthafen von Puerto Banus noch ein kurzer Aufenthalt vorgesehen. Der Hafen gilt als Treffpunkt der „Reichen und Schönen“. Die Liegegebühren erreichen hier schon einmal astronomische Höhen. Die größten Jachten sind bis zu 70 Meter lang und gehören vorwiegend reichen Arabern. Da hätten wir uns schon das eine oder andere Bötchen gefunden. Es fehlte uns jedoch das notwendige Kleingeld. Die im Hafen anzutreffenden Restaurants und Geschäfte sind dementsprechend in der oberen Preisklasse angesiedelt. Weiterhin stellt der Jachthafen von Marbella den Mittelpunkt des Nachtlebens der Costa del Sol dar. Unser Hotel Cervantes in Torremolinos gehörte eindeutig nicht in diese Preisklasse.

Tag 3 / TORREMOLINOS – BIO FINCA JUANITO – MALAGA – ANTEQUERA / EL TORCAL – GRANADA

Für diesen Tag war folgendes geplant: Rundgang in Malaga – Bio Finca – Olivenölmuseum Antequera – El Torcal. Durch einen Planungsfehler des Reisebüros, die Oliven hatten Ruhetag, fuhren wir gleich nach dem Frühstück zur Bio-Finca Juanito im Hinterland von Malaga. Der kleine Hof in der Nähe von Pizarra wird von Juanito und seiner Familie betrieben. Juanito, ein waschechter Andalusier mit erstaunlich guten Deutschkenntnissen, mittleren Alters, mit typischen andalusischen Witz, Charme und ein bisschen aufgedreht, bietet Touristen und Einheimischen einstündige Führungen an. Nach der Begrüßung durch Juanito ging es auch schon los: Apfelsinen, Zitronen, Pampelmusen, Granatäpfel und so vieles mehr … Alles nach dem Motto: probieren, staunen, trinken, fragen, geniessen, lachen, riechen, anfassen und nochmals lachen.

Mit viel Natur gestärkt fuhren wir dann nach Malaga und unternahmen den geplanten Rundgang durch die Altstadt zur Kathedrale. Danach blieb noch Zeit für eigene Unternehmungen. Manche spazierten zum Geburtshaus des berühmten Malers Pablo Ruiz Picasso, andere – so wie auch wir – erklommen die Festung Alcazaba und bewunderten den fantastischen Ausblick auf Malaga. Für die Besichtigung der oberhalb der Festung gelegenen Ruine der Burganlage Castillo de Gibralfaro blieb leider keine Zeit mehr.

Da, wie schon beschrieben, die Besichtigung des Olivenölmuseums in Antequera ausfiel, fuhren wir gleich in das nahe gelegene Naturschutzgebiet El Torcal, das mit seinen bizarren Karstformationen zu einem Spaziergang einlud. Ich habe ja eingangs schon den portugiesischen Buslenker erwähnt. Grundsätzlich war er ja in Ordnung, nur bergfahren war nicht seine Stärke. Die Straße hinauf in die teils alpin wirkende Gebirgslandschaft war abwechslungsreich, zwar nicht sehr kurvig aber dafür sehr schmal. Und der Buslenker hat geschwitzt. Letztendlich sind wir aber gut rauf gekommen und konnten die Wanderung zwischen den eigenartigen Karstgebilden beginnen. Wir kletterten durch die fantastische Landschaft und genossen traumhafte Ausblicke auf die steingewordenen Kulissen einer Märchenlandschaft. Tagesziel war Granada, wo wir gegen Abend das Hotel Los Angeles für zwei Nächte bezogen.

Tag 4 / GRANADA

Der Aufenthalt in Granada ist ohne Zweifel ein Höhepunkt jeder Andalusien-Reise. Im Zentrum Granadas bot sich die Möglichkeit zum Besuch der Kathedrale und der benachbarten Capilla Real mit dem Grab der Katholischen Könige Isabel von Kastillien und Fernando von Aragón. Ein Spaziergang führte uns in das Herz des alten Araber-Viertels Albaicín, das wie auch die Alhambra von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde: ein Kleinod an engen Gassen mit hübschen Häusern und Gärten. Und ein fantastischer Ausblick auf die gegenüber liegenden Alhambra. Hier spürt man die Großartigkeit des maurischen Erbes und genießt das unvergessliche Panorama.

Natürlich durfte der Besuch der Alhambra nicht fehlen, gilt sie doch als die Krönung der spanisch-arabischen Bauwerke. Die Burganlage ist etwa 740 m lang und bis zu 220 m breit. Grundsätzlich kann man den Gesamtkomplex in drei Teile zerlegen: die Zitadelle (Alcazaba), den Nasridenpalästen (Palacios Nazaries) und den vorgelagerten Gärten (Generalife). Hinter dem Schutz einer mächtigen Burgmauer verbirgt sich ein wahres Labyrinth aus reich ornamentierten Palästen, malerischen Innenhöfen und Gärten. Bei der gut 2 Stunden dauernden Führung haben wir unendlich viel gesehen. Etwa das Herzstück der Alhambra, die Nasridenpaläste: Mexuar (Audienz- und Gerichtssaal) – Cuarto Dorado (Goldenes Zimmer) – Patio de los Arrayanes (Myrtenhof) – Sala de los Embajadores (Botschaftersaal) – Patio de los Leones (Löwenhof) – Sala de dos Hermanas (Saal der Zwei Schwestern), um nur die Wichtigsten zu nennen. Eigentlich könnte man hier Tage verbringen und immer noch etwas Neues entdecken. Den Abschluss des Besuchs bildete ein Spaziergang durch den Generalife, dem Sommerplast der maurischen Könige, umgeben von einer bezaubernden Gartenanlage mit Wasserspielen.

Am Abend besuchten wir in einer ehemaligen Höhlenwohnung im Sacromonte Viertel von Granada die einzigartige Flamenco-Show  Las Cuevas „Los Tarantos“. Diese Einrichtung wurde im Jahre 1972 von Don Jose und Dona Concepcion Martin Quesada Maya Maya gegründet, und bietet seither einen besonderen Ort für die Flamenco Shows im Zambra Stil, welcher typisch für die Region von Granada ist. Auch heute sind Las Cuevas „Los Tarantos“ ein Familienbetrieb und umfassen drei verschiedene Höhlen. Die nächtlichen Flamenco-Shows präsentieren weiterhin den Zambra, den regionalen, familiären Stil des Flamenco, welcher früher ausschließlich bei Zigeuner-Hochzeiten getanzt wurde.

Tag 5 / GRANADA – CORDOBA – SEVILLA

Nach dem Frühstück führte die Reise weiter nach Cordoba. In ihrer Geschichte war Cordoba Schauplatz zahlreicher Kulturen und Völker, die sich hier niedergelassen und ihre reichhaltigen historischen Spuren hinterlassen haben. Diese besondere Stimmung erfährt man am besten im alten Stadtzentrum. Die Juderia, das weiße Viertel der Juden Cordobas, erstreckt sich von der Mezquita bis zur Stadtmauer. Hier findet man blumengeschmückte Patios hinter schmiedeeisernen Torgittern und kleine Plätze mit Bodegas und Restaurants, die mit Tapas und Wein für das leibliche Wohl sorgen. Die Mezquita, die jeden Besucher in den Bann zieht, ist Moschee und Kathedrale zugleich – beide Weltreligionen in einem einzigen Bauwerk vereint. Die Verschmelzung zwischen maurischer Pracht und christlicher Baukunst ist nirgendwo anders so bemerkenswert erkennbar wie in der Mezquita. Am Abend erreichten wir Sevilla, wo wir im Hotel Silken Al Andalus wieder für zwei Nächte Quartier bezogen.

Tag 6 / SEVILLA

Der ganze Tag gehörte Andalusiens Hauptstadt Sevilla. Im Rahmen einer Besichtigungstour erkundeten wir die „spanischste Stadt Spaniens“, die auch als Opernkulisse Berühmtheit erlangte: Don Giovanni und der Barbier von Sevilla streiften durch die Gassen, und wo heute studiert wird, rollte Carmen einst Zigarren. Am Vormittag führte uns unser Reiseleiter zur Kathedrale, der größten gotischen Kirche der Welt mit beeindruckenden Kunstschätzen und der Giralda, dem maurischen Glockenturm. Die Plaza de España und der Torre del Oro, der Goldturm am Guadalquivir waren nur einige weitere interessante Punkte. Ein Bummel durch das alte jüdische Viertel Barrio Santa Cruz offenbarte uns ein Labyrinth aus engen Gassen, malerischen Innenhöfen und versteckten Plätzen. Der Rest des Tages stand uns für individuelle Unternehmungen zur freien Verfügung. Wir besichtigten die Kathedrale, hatten einen herrlichen Ausblick sowohl von der Spitze der Giralda, als auch später von der Aussichtsplattform auf dem Metropol Parasol, besuchten das Museo del Baile Flamenco und vieles mehr.

Tag 7 / SEVILLA – WIEN

Adiós, Andalucia! Es hieß wieder einmal Abschied nehmen.

FAZIT

Eigentlich ist es bei all unseren Reisen das gleiche. Wir sehen viel und gar nichts. Auch diese Reise vermittelte uns zwar wahnsinnig schöne Eindrücke von Land und Leute, aber es hat wieder nur weiteren Hunger auf Andalusien geweckt. Daher haben wir uns fest vorgenommen nochmal hierher zu fliegen und mit einem Mietwagen das Land zu erkunden.

Ja und was war am schönsten? Schwer zu sagen. Aber die Alhambra in Granada ist fast nicht zu übertreffen. Verabschieden wollen wir uns jedoch mit einem Foto des Museo de Artes y Costumbres Populares im Parque de María Luisa in Sevilla.

03-04-06-27 Sevilla - Museo de Artes y Costumbres Populares
Museo de Artes y Costumbres Populares

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